Maren Sachse: Empirische Untersuchung zum Konsum. psychotroper Substanzen von Kindern und Jugendlichen in stationären Jugendhilfeeinrichtungen
hinzugefügt: 22-06-2007
"Während einer Aushilfstätigkeit in einem Kinder- und Jugendheim stellte ich mit Erschrecken fest, dass der heutige Konsum von Nikotin bei minderjährigen Kindern und Jugendlichen recht hoch ist. Durch den sonstigen Kontakt zu Kindern gleicher Altersklasse im Umfeld verschiedener Ferienfreizeiten und durch meine 15-jährige Schwester weiß ich, dass das Konsumverhalten der Kinder in diesem Kinder- und Jugendheim vergleichsweise stark ausgeprägt ist.
Nichtraucher sind in Heimen die Ausnahme. Das Rauchen unter 16 Jahren ist zwar rechtlich verboten, aber die wenigsten halten sich daran. Wenn man in diesem Alter beim Rauchen auffällt, hat das zwar Konsequenzen, stellt aber keinen Anlass dar, das Verhalten zu ändern. Die Wegnahme der Zigaretten ist für das Kind zwar ärgerlich und die als Strafe auferlegte Gartenarbeit „ätzend“, aber wer sich im Garten ungeschickt anstellt, kann bald wieder seinen eigenen Interessen nachgehen.
Als NichtraucherIn und auch als ErzieherIn sollte es einen erschrecken, dass im Kinderheim der häufigste Wunsch zum 16. Geburtstag eine Schachtel Zigaretten ist. Tabakkonsum der Kinder ist im Heim bekannt und wird von ErzieherInnen ignoriert. Es gehört zum Alltag, ein Kind beim Rauchen zu erwischen. Das Kind hat lediglich mit den ErzieherInnen seiner Gruppe zu verhandeln. Da diese in den meisten Fällen selbst rauchen, wirken sie unglaubwürdig und die Gesetzesbarriere ist ihr einziges Gegenargument.
Der Alkoholkonsum im Heim scheint sich dagegen in Grenzen zu halten. Über die möglichen Gründe für dieses Verhalten kann ich nur spekulieren. So ist die Strafe bei Alkoholkonsum eine wesentlich höhere. Ähnlich wie bei illegalen Drogen geht dieser Konsum als Thema ins sogenannte „große Team“, d.h. ErzieherInnen der anderen Gruppen und die Heimleitung erfahren davon. Hier wird häufig der Verweis des Kindes aus der Einrichtung diskutiert, da man die Gefährdung der anderen Kinder als zu schwerwiegend betrachtet. Ein Verweis erfolgt nur bei wiederholtem Konsum, aber ist dies die richtige Reaktion." (Einleitung)