Andrea Gabriele Küter: „Geh doch wo du wohnst! Geschichten aus dem Hartz"
hinzugefügt: 8-07-2012
Edition Kopfsalat 2012, 157 Seiten, 11,90 Euro.

ISBN 978-3-00-036546-1

Für die fußballbegeisterte Ich-Erzählerin, die als Familienhelferin in einer norddeutschen Kleinstadt arbeitet, steht eine Partie der Champions-League auf dem Programm, da klingelt mal wieder das Telefon: „Es geht wegen meine Tochter...“ Frau Ubben, eine ihrer Hartz-IV-Klientinnen, ist besonders hartnäckig, wenn es um ihre kleinen und großen Sorgen geht. Adieu Fußballabend.
Mit Gefühl und Witz und einem Schuss Ironie erzählt Andrea Gabriele Küter Geschichten von Frau Ubben und anderen Klienten. Im Mittelpunkt des Romans steht die zupackende und zugleich sensible Familienhelferin, die für ihre „Schützlinge“ und ihre Probleme Tag und Nacht im Einsatz ist: Mal stört der Hamster die Nachtruhe, dann klauen die Kinder Tannenbäume oder der Lebensgefährte schielt hinter anderen Frauen her. Und wie soll die Familienhelferin es mit ihrem Gewissen als Vegetarierin vereinbaren, dass ihre Klienten in McDonalds ihr zweites Zuhause sehen?
So sehr sie sich bemüht, die Grenze zwischen Privatleben und Job zu ziehen – es gelingt in den seltensten Fällen, denn es ist zu viel Empathie im Spiel. Und das ist gut so. Oder nicht? Man darf gespannt sein auf das Ende der Geschichte.

Andrea Gabriele Küter arbeitet als Familienhelferin in Emden. In ihrem Buch „Geh doch wo du wohnst!“ schöpft sie aus einem reichen Erfahrungsschatz und gestattet sich auch kleine Rückblicke in die 80er Jahre, zum Beispiel in die Zeit der Frauenbewegung. Kritische Untertöne zum Behördenapparat und zu den Eigenwilligkeiten ihrer Klienten wahren immer die Gebote der Fairness und des Respekts. In literarischer zugespitzter Form verarbeitet Küter ihre Erfahrungen aus der Innenansicht – authentisch und fiktiv zugleich.