Becker, Margraf: Generalisierte Angststörung
hinzugefügt: 3-02-2016
Ein Therapieprogramm. Mit E-Book inside und Arbeitsmaterial
Verlag: Beltz 2016, 3. Auflage

ISBN: 9783621283083

Sehr fundiert und praxisnah

Es ist so, dass unter bestimmten Bedingungen bei manchen Persönlichkeiten die Angst die Überhand gewinnt. Und das nicht nur in „geläufigen“ Arten und Weisen wie „Platzangst“ oder „Höhenangst“ oder gewissen Zwängen, die von der Außenwelt zu beobachten sind, was an sich schon schlimm genug für die jeweils betroffenen und deren direktes Umfeld ist, sondern als „generalisierte Angststörung“ quasi „die Kontrolle über die Person“ selbst übernehmen kann. So dass das gesamte Leben, privat wie öffentlich, von Angst bestimmt ist und wird.

Und dennoch fristet die „Generalisierte Angststörung“ zu Unrecht eher ein Rand-Dasein im Rahmen von Therapien und Beratungen. Sie wird „selten behandelt und die Therapie zudem als schwierig emfpunden“.

Wobei die Autoren mit Nachdruck darauf hinweisen, dass gerade diese Form der Angststörung aufweist, dass betroffene Patienten nur äußerst selten eigenständig den Weg zur Psychotherapie nicht finden.

Zudem ist die „eigentliche Störung“ bei vielen solcher Betroffener stark verdeckt durch „Nebenstörungen“ wie Depressionen oder griffigeren, konkreteren Angststörungen. Und auch gilt, dass eine Unsicherheit (noch) besteht über den geeigneten Ansatz einer möglichen Therapie.

Zu allen drei „Hinderungen“ nehmen die Autoren in diesem sehr verständlich verfassten und sehr von der Praxis beeinflussten Werk fundiert und nachvollziehbar Stellung.

Bieten zunächst Erklärungsansätze und Definitionen der generalisierten Angststörung und erläutern gängige und gut nutzbare Modell der Einordnung der Störung und der diagnostischen Möglichkeiten („Störungsbild“. Ein erster Teil, der ungemein dazu verhilft, als Therapeut oder Arzt einer solchen generalisierten Angststörung „auf die Spur“ zu kommen. Gerade weil die Autoren die „Sorgen“ dieses Störungsbildes (und damit auch der Behandlung) stark in den Mittelpunkt ihrer Darstellung rücken, rücken die Einlassungen überaus nah an das praktische Leben und die Erlebniswelt von Betroffenen und behandelnden Personen heran und bietet eine sehr verständliche Darstellung der ersten, grundlegenden Schritte und Einordnungen.

Im zweiten Teil verbleiben die Autoren ebenfalls noch im Part der Vorbereitungen einer psychotherapeutischen Behandlung und erweitern so einen möglichst tragfähigen Grund für eine solche Behandlung. Die Voraussetzungen für eine Behandlung, die vorgeschlagenen therapeutischen Ansätze der Autoren und die Konkretisierung des Behandlungskonzeptes findet sich ausführlich und Schritt für Schritt in diesem zweiten Teil des Werkes niedergelegt.

Dazu gehört im Buch auch die Differenzierung der generalisierten Angststörung nach eher psychischer Ausprägung oder eher physischer Ausprägung hin, sowie praxisnahe Vorschläge für die konkreten Informationsübermittelungen an den Patienten selbst.

All dies stellt sich für die Praxis als äußerst hilfreich dar, bietet fassbare und konkrete Instrumente zur genauen Diagnostik und zum konstruktiven Angang einer solchen psychotherapeutischen Behandlung. Wie im Weiteren dann die reflektiert und überzeugend zu Grunde gelegten Therapieverfahren der differenzierten „konfrontativen Methode“ ebenso ruhig, sorgfältig und an die Reflexion der Praxis angekoppelt vor Augen geführt werden.

Ein wichtiges, fachlich fundiertes Werk, dass ein grundlegendes Therapieverfahren ausführlich und durchdacht vorstellt und alle Elemente, die zu einem solchen vor- und nacharbeitend notwendig sind, ebenso klar benennen.


Rezensent: Michael Lehmann-Pape