Simanowitz, J.: Performance Coaching
hinzugefügt: 15-02-2016
Kreative Rollen- und Statusspiele im Job
Verlag: Beltz 2016

ISBN: 9783407365996

Anregende und thematisch zielgenaue Instrumente

Das Rollenspiele zu Beratungssituationen hinzugezogen werden, ist nun sicherlich keine neue Erkenntnis oder Entwicklung. Das aber die oft befürchtete „Steife“ solcher Situationen Menschen oft befangen sein lässt (und damit mögliche innere Erfahrungen und Entfaltungen hemmen) stimmt genauso, wie die oft wenig fantasiereichen Settings, die vielen Rollenspielen so manches Mal zugrunde gelegt werden.

Hier setzt Simanowitz offensiv auf thematisch geordnete und in der Form kreative Instrumente, die nun im Buch weniger als „Hilfsmittel“ zum Coaching sich darstellen (was Rollenspiele ja zu oft nur sind), sondern als integraler Bestandteil das Coaching in und durch die „Performance“ seine konstruktiven Möglichkeiten entfaltet.

Ausgehend von der Beobachtung, dass das gesamte Leben eigentlich (recht verstanden) aus „Theater“ besteht, dass in vielfachen Situationen meist lange antrainierte „Rollen“ übernommen werden, Rollen, die nicht zu Letzt und vor allem auch im beruflichen Leben mit seinen vielfältigen individuellen Ritualen einen breiten Raum einnehmen, im Guten wie im Negativen.

Die „Spielregeln“ dabei zu verstehen, die eigene „Rolle“ zu erkennen und in ein Gesamtgefüge einordnen zu können mit dem Ziel , die eigene „Performance“ zu verbessern (nicht strikt im Rahmen von eigenen oder fremden festen Rollenerwartungen), dazu bietet Simanowitz vielfache und sehr kreative, dabei immer verständliche und zur Umsetzung motivierende Gedanken und praktische Hilfestellungen.

Dabei ist das Buch entstanden „durch die wunderbare Ereignisse, in denen Menschen plötzlich ihr Verhaltenskorsett durchbrechen und Fähigkeiten entdecken, die sie schon lange verloren oder vergessen glaubten“. Durch das Reflektieren , das spielerische Durchbrechen eingefahrener Rollenmuster und das Erproben neuer Ausdrucksweisen (Performances), die im Beratungsprozess intensiv auf ihre „Passgenauigkeit“ professionell begleitet überprüft werden.

„Wie der Arbeitsplatz zur Bühne wird“ (und das in einem Callcenter), wie man der „Angst, aus der Reihe zu tanzen“ konstruktiv begegnet (und wie Rollenzuschreibungen den Menschen generell prägen), wie man tatsächlich gegen seine eigenen „fesselnden“ Gefühle ankommt (besser: an-spielt) und das „moralische Gehirn“ dabei überwindet.
Welche Bedeutung bei all dem schon allein der Stimme und die Stimmlage zukommen, was das mit der Veränderung „ganz alltäglicher Rollenspiele“ zu tun hat, all das liest sich gründlich und kenntnisreich verfasst, bringt immer wieder überraschende, neue Einsichten hervor und leitet ebenso durchgehend und angeleitet zu einem praktischen Erproben ein.

Gerade das Kapitel zu den weiblichen Führungskräften bietet hier noch einmal vielfache, neue Impulse, auch wenn die Grundrahmungen dieser „Rollenspiele“ natürlich inzwischen bekannt sind (schon bei der Stimmlage beginnend und bei der Frage nach der Suche nach „guten“ Vorbildern für eine Führungsrolle als Frau noch lange nicht aufhörend).

Wichtig immer wieder, gut nachzulesen im Kapitel „Die Bühne des Alltags“, sind die ständigen Hinweise und vielfach verschiedenen Impulse der Autorin, nicht hilfreiche, dennoch aber starre und tief sitzende Rollenmuster zu „durchbrechen“, die Ursachen zu erkennen, den Mut zu finden, es auf eine spielerische, konstruktive Art und Weise anderes zu versuchen, sich eine andere Rolle zumindest im „so tun als ob“ einmal zuzutrauen. Die griffigen Praxisbeispiele illustrieren dabei die Ziele und die möglichen Wege in bester Weise.

Wobei natürlich gitl: „Alte Muster sind nicht auf einen Schlag zu beseitigen“. Aber Simanowitz gelingt es durchaus, Wegmarken für eine langfristige Motivation zu setzen (wobei Mäuse dabei nicht schaden, aber auch nicht zwingende Voraussetzung sind).

Eine interessante und empfehlenswerte Lektüre.

Rezensent: Michael Lehmann-Pape