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Jugendliche im Rausch – Erwachsene auch!
hinzugefügt am 06-02-2013 von Warras
Wenn von Alkoholmissbrauch die Rede ist, so sind wir es seit einigen Jahren gewöhnt, fast ausnahmslos über Kinder und Jugendliche zu sprechen (und über sie zu urteilen!). So auch die Resonanz zur aktuell veröffentlichten Krankenhausstatistik: Jugendliche trinken bis zum Umfallen! Tatsächlich treten aber in allen Altersgruppen Probleme im Zusammenhang mit schwerem Alkoholmissbrauch auf. Nur wird zu selten darauf hingewiesen.

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes sprechen für sich: 2011 wurden 26.349 Jugendliche unter 20 Jahren aufgrund einer akuten Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt, 1,4% mehr als 2010 (25.995), 62,3% mehr als 2004 (16.423). Zweifellos ist diese Entwicklung katastrophal. Doch im allgemeinen Medienecho bleibt unerwähnt: Diese Entwicklung betrifft auch Erwachsene. Über 90.000 der über 20-Jährigen haben sich ins Krankenhaus getrunken. Mit allein 35.508 Behandlungen belegt die Altersgruppe der 40-55-Jährigen die traurigen vordersten Plätze in Folge schweren Alkoholkonsums. Bei den 60-65-Jährigen ist die Anzahl der Alkoholvergiftungen gegenüber 2010 sogar um 11,3% gestiegen, bei den 75-80-Jährigen um 9,6%. Komatrinken also auch bei Erwachsenen und Hochbetagten. Noch nie davon gehört? Eben!



Fakt ist:

- Der mit Abstand meiste Alkohol wird von Erwachsenen getrunken, und auch missbräuchlich getrunken.

- Das durchschnittliche Alter der Alkoholabhängigen in therapeutischer Behandlung liegt zwischen 40 und 50 Jahren.

- Erwachsene prägen das Konsumverhalten im Guten und im Schlechten.



Es ist wenig hilfreich, den exzessiven Konsum Jugendlicher zu beklagen, ihre angeblich haltlosen und extremen Konsumgewohnheiten an den Pranger zu stellen und ihnen mit einer Zunahme angedrohter oder tatsächlicher Sanktionen gegenüber zu treten. Vielmehr sind zunächst Eltern und andere Vorbilder, Verkäuferinnen und Passanten auf der Straße, Wirte und andere Gewerbetreibende, Sozial- und Gesundheitspolitikerinnen und -politiker, Fachkräfte aus Prävention und Therapie, mithin Erwachsene in allen denkbaren Zusammenhängen gefordert, das jeweils ihre beizutragen, Jugendliche vor den Gefahren des Alkoholkonsums zu schützen. Effektive Präventionsmaßnahmen wie Preiserhöhungen, Verkaufsreduzierung und Werbeeinschränkungen sind nötig, um das Trinkniveau in Deutschland zu senken. Für alle!



Die DHS organisiert vom 25. Mai bis 2. Juni 2013 die Aktionswoche Alkohol. Sie richtet sich an die gesamte Bevölkerung. Neun Tage lang veranstalten tausende Engagierte zahlreiche Aktionen, um möglichst viele Menschen an möglichst vielen Orten zu erreichen. Alle, die Alkohol trinken – also 90 Prozent der Bevölkerung – sollen angeregt werden, ihr Trinkverhalten einzuschätzen und zu prüfen, ob der eigene Alkoholkonsum gesundheitsverträglich ist. Nicht nur für Jugendliche, auch für Erwachsene gilt die zentrale Botschaft: „Alkohol? Weniger ist besser!“



Weitere Informationen finden Sie unter http://www.aktionswoche-alkohol.de.