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Interessanter Einblick in ein prekäres Berufsfeld
hinzugefügt am 11-05-2016 von Melzer
Die Berliner Abgeordneten Klaus Lederer und Katrin Möller (DIE LINKE) sondieren schriftliche Anfrage zur Situation der Betreuung.

Schockiert über die Arbeitsbedingungen von Berufsbetreuer/innen zeigten sich die Berliner LINKEN-Abgeordneten Katrin Möller und Klaus Lederer im Gespräch mit Monika Mahlke und Fred Rehberg von der BdB-Landesgruppe Berlin. „Berufsbetreuer/innen arbeiten unter katastrophalen Bedingungen. Das heutige Gespräch hat uns einen interessanten Einblick in ein prekäres Berufsfeld gegeben“, sagte der Berliner Landesvorsitzende und rechtspolitische Sprecher der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus.

Katrin Möller, Sprecherin der Linksfraktion für Jugend und Familie, fragte: „Wie soll es gelingen, eine gute Betreuung im Sinne einer unterstützten Entscheidungsfindung zu leisten, wie sie in der UN-Behindertenrechtskonvention beschrieben ist, wenn einem Betreuer gerade mal 3,1 Stunden pro Klient und Monat zu Verfügung stehen?“

„Das aktuelle System schafft die falsche Anreize: Aus purer Zeitnot handeln viele Kollegen viel zu oft stellvertretend. Das ist nicht im Sinne unserer Leitlinien. Unsere Aufgabe als Berufsbetreuer ist es, Menschen darin zu unterstützen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, nicht über ihren Kopf hinweg zu entscheiden. Aber dafür brauche ich Zeit, die ich nicht bezahlt bekomme“, kritisierte Fred Rehberg.

Monika Mahlke ergänzte: „Seit 2005 bekommen wir pauschal 3,1 Stunden pro Klient und Monat vergütet – zu maximal 44 Euro pro Stunde. Seitdem ist die Zahl unserer Aufgaben deutlich gewachsen, haben wir mehr Verantwortung übernommen und ist die Bürokratie gewuchert. Wir erleben Ansprechpartner bei den Behörden, die auf Streichen und Nichtgenehmigen aus sind. Die Rechte unserer Klienten durchzusetzen, wird daher immer aufwändiger. Wir steuern gerade auf eine soziale Katastrophe zu.“

Katrin Möller und Klaus Lederer wollen nun die aktuelle Situation in der Betreuung im Berliner Abgeordnetenhaus platzieren und sondieren daher eine schriftliche Anfrage. Fred Rehberg wird weitere Hintergrundinformationen zuliefern.