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Der 4-Säulen TÜV
hinzugefügt am 04-07-2012 von Warras
Die vier Säulen der Suchthilfe und Suchtpolitik auf dem Prüfstand

Das tragende Gerüst der Drogen- und Suchtpolitik Deutschlands sind seit über 20 Jahren die vier Säulen Prävention, Beratung und Behandlung, Schadensminimierung sowie Repression. Schon im Nationalen Rauschgiftbekämpfungsplan aus dem Jahr 1990 finden sich all diese Ele-mente der später benannten vier Säulen, wenn auch in unterschiedlicher Bezeichnung und Schwerpunktsetzung. So können wir in Deutschland auf Kontinuität in der Drogen- und Sucht-politik zurückblicken und müssen uns zugleich fragen, ob das Gesamtkonzept noch stimmig ist und ob es den künftigen Herausforderungen gerecht wird.
In den beiden vergangenen Jahrzehnten sind die Ansprüche, die die Suchthilfe an sich selbst stellt oder die von außen an sie gestellt werden, ständig gestiegen. Die Angebotspalette hat sich erweitert und professionalisiert. Fast jede Einrichtung, fast jedes Projekt wird evaluiert oder führt ein Qualitätsmanagement durch. Jedoch: In einem System, das weitgehend subsidiär auf-gebaut ist und in dem sich die Zuständigkeiten auf unterschiedliche Kostenträger verteilen, ist ein optimales Zusammenwirken des Gesamtsystems schwierig, gestaltet sich die gewünschte Kooperation oder Vernetzung oft mühselig.
Dazu kommen neue Herausforderungen: Die drogenbezogenen Wirklichkeiten haben sich gründlich geändert. Opioidkonsum bedeutet heute meist Substitution, der Cannabiskonsum ist gestiegen, neue Substanzen erscheinen auf dem (Internet)Markt und die Verfügbarkeit der „äl-testen“ Substanz, Alkohol, wird immer dominierender. Seit langem bekannte Bedarfe aufgrund des demografischen Wandels, der Genderproblematik, der Migration oder anderer besonderer Zielgruppen, stellen die Beratungsstellen vor kaum lösbare Ressourcenprobleme. Daher ist auszuloten, ob das vorhandene Gesamtkonzept mit seinen aktuellen präventiven, therapeuti-schen und gesetzlichen Ansätzen eine geeignete Basis für effektive Hilfen beim Umgang mit Drogen jeglicher Art ist und ob es eine gelingende und gerechte Versorgung sichern kann. Dar-über hinaus ist bislang noch kaum untersucht worden, wie sich die vier Stützpfeiler der Suchtpo-litik gegenseitig beeinflussen.
Auf ihrer 52. Fachkonferenz Sucht möchte die DHS gemeinsam mit den Teilnehmern und Teil-nehmerinnen prüfen, ob jede der vier Säulen, die „TÜV-Plakette“ für die nächsten Jahre erhal-ten kann. Darüber hinaus möchten wir den Fragen nachgehen, ob wir genug Säulen haben, wie die Säulen zu einander positioniert sind, z.B. ob sie nahe genug bei einander stehen, um Netz-werken zu ermöglichen - und natürlich, ob sie geeignet sind, den Herausforderungen der Zu-kunft zu begegnen.


Nähere Informationen erhalten Sie unter kaldewei@dhs.de
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Hamm 2012