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KINDER(-NÖTE) IM BLICK – KINDER SCHÜTZEN, GEFÄHRDUNGEN UND RISIKEN VORBEUGEN
hinzugefügt am 17-03-2009 von Warras
Dokumentation der Fachkonferenz „Netze der Kooperation 10“ erschienen

Das Thema Kindeswohlgefährdung hat durch Fälle wie „Kevin“ eine breite mediale Öffentlichkeit gehabt. Die Gefahren und Risiken, denen Kinder früh ausgesetzt sind, kennen engagierte Fach- und Lehrkräfte in Schule und Jugendhilfe allerdings schon seit langem. Besondere Bedeutung haben dabei die vielen Fälle von Gefährdung, die – zum Glück – nicht so tragisch enden wie im Fall von „Kevin“, für die betroffenen Kinder gleichwohl mit belastenden Erfahrungen verbunden sind und weitreichende Folgen für deren weiteres Leben haben können.

Mit der gesetzlichen Verankerungen des Kinderschutzes in § 8a SGB VIII und im § 42 Abs. 6 Schulgesetz NRW sind Jugendhilfe und Schule in NRW gleichermaßen dazu aufgefordert, möglichen Gefahren für das Kinderwohl entgegen zu wirken. Bei der Konferenz „Kinder(-nöte) im Blick – Kinder schützen, Gefährdungen und Risiken vorbeugen“, an der über 150 Fach- und Lehrkräfte aus verschiedenen Arbeitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe und aus dem Bereich Schule teilgenommen haben, wurde die Bedeutung dieser Aufgabe deutlich gemacht, auf die zu berücksichtigenden Perspektiven der verschiedenen beteiligten Akteure hingewiesen und wurden praxiserprobte Vernetzungen vorgestellt.

Ein wichtiger Bezugspunkt muss die Perspektive der Kinder selbst sein. Wenn Kinder nach ihrer Sicht der Dinge gefragt werden, beschreiben sie die eigenen Lebensverhältnisse eher als „alles normal“ – so die Ergebnisse des DJI-Kinderpanel im Beitrag von Dr. Christian Alt. Das heißt zwar nicht, dass „Kindermund allein Wahrheit kundtut“; gleichwohl muss ihre Sicht der Dinge bei der Entscheidung über Angebote und Interventionen berücksichtigt werden.

Wesentlich für die präventive Arbeit ist das Ziel, die sozialen Kompetenzen zu fördern, die Kinder und Familien brauchen, um Anforderungen und Risiken in ihren Lebenswelten selbst gut zu meistern. Wichtige Hinweise liefern hier die Ergebnisse der Erlangen-Nürnberger Entwicklungs- und Präventionsstudie von Professor Dr.Dr.h.c. Friedrich Lösel, Dr. Andreas Beelmann, Dr. Stefanie Jaursch und Prof. Dr. Mark Stemmler.

Jugendhilfe und Schule sind auf die Dienste des Gesundheitswesens als drittem Kooperationspartner angewiesen, wenn sie gemeinsam erfolgreich intervenieren und/oder präventiv wirken wollen. „Kindeswohlgefährdung – Die ärztliche Sicht gehört dazu!“ lautet deshalb der Beitrag von Dr. Petra Freynik vom Gesundheitsamt der Stadt Essen.

Die möglichen Risiken von Kindheit sind zahlreich, einfache Lösungen von daher fehl am Platz. Es bedarf immer eines genauen Blicks auf die jeweiligen Kinder und ihre konkreten Lebensumstände, auf die in den Sozialräumen vorhandenen Einrichtungen und Dienste und ihre Erfahrungsbezüge. Dass es dann möglich ist, Kinder zu stärken, ihre Widerstandskräfte zu fördern und/oder bei Anzeichen von Gefährdungen frühzeitig zu intervenieren, zeigen beispielhaft die dokumentierten Praxismodelle und Handlungsempfehlungen:
Ø SESAM – Ein erfolgreiches Modell sonderpädagogischer Förderung.
Ø Frühe Förderung strukturell verankert im „Netzwerk Frühe Förderung“ (NeFF).
Ø Sprachkompetenzen fördern durch die Kooperation von Tageseinrichtung für Kinder und Grundschule.
Ø Kompetenztraining für Kinder im Grundschulalter.
Ø Die Kooperation von Erziehungsberatung und Grundschule: Ein Projekt zugehender Beratung.
Ø FÖRSTA: Förderung von sogenannten „schwierigen“ Schüler/-innen in der Offenen Ganztagsschule im Primarbereich.
Ø Kindesvernachlässigung: Voraussetzungen und Handlungsschritte für einen verantwortungsvollen Umgang in der Schule.

Die Kooperation sollte nicht nur im konkreten Ernst- und damit Einzelfall gesucht werden, wie dies nach wie vor in der Praxis noch oft der Fall ist. Das Ziel muss es vielmehr sein, nachhaltige Hilfenetze aufzubauen, in denen Kinder frühzeitig und integrativ gefördert werden. Vor dem Hintergrund von bekannten Risikofaktoren, Gefährdungen und sozialen Problemlagen geht es darum alle Kinder zu stärken und zu schützen und Gefährdungen und Risiken für gelingendes Aufwachsen vorzubeugen – und zugleich vor Ort Lösungen zu finden, wie bei ersten Anzeichen für eine (mögliche) Vernachlässigung oder Gefährdung schnell gehandelt werden kann.

Die vorliegende Publikation soll diese Prozesse unterstützen, praxisnahe Hilfestellungen bieten – und die Akteure in Jugendhilfe, Schule und den Gesundheitsdiensten dazu ermutigen, Kinder(-nöte) in der jeweiligen Praxis in den Blick zu nehmen.

Dokumentation der Konferenz „Netze der Kooperation 10: Kinder(-nöte) im Blick –
Kinder schützen, Gefährdungen und Risiken vorbeugen“ vom 17.10.2007. Hrsg. von Bezirksregierung Köln/Schulabteilung, Bezirksregierung Düsseldorf/Schulabteilung und LVR-Landesjugendamt Rheinland. Köln 2008. 131 Seiten. – Bezug gegen Kostenbeitrag von 5,- EUR bei: LVR-Landesjugendamt Rheinland, Frau Breyer, 50663 Köln, E-Mail: hendrika.breyer@lvr.de