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Homeschooling bringt Heimerziehung ans Limit
hinzugefügt am 03-02-2021
Stationäre Jugendhilfeeinrichtungen können Bildungs- und Erziehungsauftrag in der Corona-Pandemie ohne zusätzliches Personal nicht nachkommen

Berlin, 3. Februar 2021. Elf Monate Pandemie, wiederkehrende Lockdowns und kurzfristige Quarantänesituationen bringen nicht nur Eltern, sondern auch die Fachkräfte in den stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland immer öfter an ihre Grenzen. Diese Vermutung, die sich bereits im ersten Lockdown abzeichnete, wurde nun durch eine interne Blitzumfrage unter den Mitgliedseinrichtungen des Bundesverbandes privater Träger der freien Kinder-, Jugend- und Sozialhilfe e.V. (VPK) bestätigt.

‚ÄěKinder und Jugendliche in der Heimerziehung, die vormittags normalerweise in Kitas und Schulen betreut werden, m√ľssen w√§hrend des Lockdowns wochenlang mit vielen zus√§tzlichen Stunden von den Fachkr√§ften betreut und beschult werden‚Äú, so Rebecca Prent, Vizepr√§sidentin des VPK-Bundesverbandes e.V. ‚ÄěDies aber ist nicht mit den vor Corona-Zeiten verhandelten Fachkraft-Kind-Schl√ľsseln und Tagess√§tzen zu leisten. Wir verf√ľgen schlicht nicht √ľber die Anzahl an Personal, die es br√§uchte, um all das aufzufangen, was Kitas und Schulen aufgrund der Pandemie derzeit nicht selbst anbieten k√∂nnen‚Äú, so Prent weiter.

Die in den Einrichtungen lebenden Kinder und Jugendlichen, die in der Regel in alters√ľbergreifenden Gruppen von bis zu zehn Kindern betreut werden, besuchen verschiedene Klassen und Schultypen. So ist es beispielsweise nicht un√ľblich, dass in einer Gruppe Kinder aus Regelgrundschule, F√∂rderschule, Mittelschule, Realschule und Gymnasium vereint sind. Die Anforderungen an das Homeschooling k√∂nnten dabei unterschiedlicher kaum sein. ‚ÄěHinzu kommt, dass die Kinder und Jugendlichen aufgrund ihrer pers√∂nlichen Vorgeschichte und der damit verbundenen Verhaltenssymptomatiken weitaus mehr Zuwendung und Motivationshilfe ben√∂tigen als andere Kinder im Homeschooling, die nicht einer besonderen F√∂rderung durch Angebote der Jugendhilfe bed√ľrfen‚Äú, pr√§zisiert Prent.

Die Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen haben gleich zu Beginn der Pandemie im M√§rz vergangenen Jahres auf ihre Situation aufmerksam gemacht und bei den f√ľr sie zust√§ndigen Heimaufsichten mehr personelle und finanzielle Unterst√ľtzung eingefordert. Bis heute sind dem stetigen eindringlichen Appell der Einrichtungen jedoch kaum Taten gefolgt. In Bayern, wo Rebecca Prent eine eigene Einrichtung betreibt, wurde k√ľrzlich eine zus√§tzliche Fachkraft f√ľr die Vormittagsbetreuung bewilligt. Dies aber reicht aus Sicht der erfahrenen P√§dagogin l√§ngst nicht aus.

‚ÄěHomeschooling auf unbestimmte Zeit, unterschiedliche Lernplattformen, fehlende Erreichbarkeit von Lehrern, Kinder und Jugendliche mit erh√∂htem F√∂rder- und Betreuungsbedarf, allt√§gliche Aufgaben zum Beispiel auch in der Elternarbeit, die mindestens weiterlaufen oder aufgrund der aktuellen Situation noch zeitintensiver sind, die st√§ndige √úberpr√ľfung und Umsetzung der Hygienekonzepte bei der gleichzeitigen Anwesenheit von viel mehr Kindern als gew√∂hnlich ‚Äď das ist einfach nicht machbar. Bei allem Engagement und guten Willen ‚Äď uns Fachkr√§ften geht langsam die Puste aus.‚Äú

Der VPK fordert die Politik auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene dazu auf, die N√∂te der Einrichtungen endlich wahrzunehmen und schnelle und pragmatische L√∂sungen im Hinblick auf die Finanzierung zus√§tzlichen Personals sicherzustellen. Die Kinder- und Jugendhilfe leistet einen wesentlichen gesellschaftlichen Beitrag und darf ebenso wie andere Bereiche des Lebens in der Pandemie nicht vergessen werden. ‚ÄěGerade sehen wir jeden Tag neue Studien, die das Ausma√ü der aktuellen Situation auf die Psyche und das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen beschreiben. Wir m√ľssen alles daransetzen, diesen besonders zuwendungsbed√ľrftigen Kindern und Jugendlichen die Unterst√ľtzung zu geben, die sie dringend ben√∂tigen‚Äú, so Prent abschlie√üend.

VPK-Bundesverband e.V.



Kontakt / Ansprechpartner

Bundesverband privater Träger der freien Kinder-, Jugend- und Sozialhilfe e.V. (VPK)

Bundesgeschäftsstelle: Albestraße 21, 12159 Berlin, Tel.: 030 / 89 62 52 37

Sophia Reichardt, Tel.: 030 / 58 84 07 41
E-Mail: reichardt@vpk.de

Werner Schipmann, Tel.: 0541 / 9 99 82 70
E-Mail: schipmann@vpk.de