Armin Schneider: Forschungsperspektiven in der Sozialen Arbeit

hinzugefügt: 18-05-2009
Wochenschau Verlag 2009. 143 Seiten. 9,80 EUR. Reihe: Grundlagen Sozialer Arbeit

ISBN 978-3-89974-469-9

Derzeit existiert noch ein gewisser tradierter Mangel an Auswahl von Fachliteratur, die explizit auf Bedürfnisse und Fragestellungen sozialarbeiterischer Forschung eingeht – dies kritisieren Studierende wie Lehrende oft mit einem Achselzucken und dem bewährten Griff zu Grundlagenwerken der Soziologie. Dies trägt, wenn überhaupt, nur über Umwege zu einer Verknüpfung von sozialarbeiterischer Identität und dem Erwerb von Forschungsqualifikationen für die soziale Praxis im weiteren Sinne bei.
Umso erfreulicher bereits der Titel dieses frisch erschienenen Buches aus einer Reihe von Fachbüchern, mit dem Anspruch gestartet, auf die neuen Erfordernisse von B.A. und M.A. Studiengänge mit kompakter Grundlagenliteratur einzugehen. Um es vorweg zu nehmen: „Forschungsperspektiven in der Sozialen Arbeit“ eignet sich als kleines, kompaktes und preisgünstiges Grundlagenbuch für beide Studienniveaus und begründet die Notwendigkeit sozialarbeiterischer Forschungsfähigkeiten dabei schlüssig.

Forschung hat in der Sozialen Arbeit keinen leichten Stand, dabei ist sie für die weitere Etablierung der Profession unerlässlich, konstatiert der Autor Armin Schneider, Professor der FH Koblenz in den Fachbereichen Sozialwesen sowie Betriebs- und Sozialwirtschaft - und bietet dem Leser/der Leserin bereits zu Beginn des Buches eine breite Palette von (möglichen) Forschungsgegenständen an. Dieses Rüstzeug der Inspiration erscheint notwendig. Auch wenn dies Buch zunächst fachlich fundiert und in verständlicher Sprache auf die pragmatisch nahe liegende Evaluations- und Handlungsforschung eingeht, so wird das Tempo und die inhaltliche Dichte des Buches deutlich angezogen bei den anschließenden Ausführungen zu den unterschiedlichen Forschungsverfahren und zu Bausteinen der Forschung, von der Datenerhebung bis zur Präsentation von Ergebnissen.

Der „rote Faden“ des Buches ist es sicher nicht, Gütekriterien einer Sozialforschungsrichtung tiefgehend zu verdeutlichen. Vielmehr soll möglichst die gesamte Spannbereite (möglicher) sozialarbeiterischer Forschung aufgezeigt werden; ergo beschäftigt sich Schneider mit qualitativen wie auch quantitativen Forschungssettings, benennt beispielsweise Dokumentenanalyse, narrative Interviews und Ethnografie wie aber auch Grundlagen der Statistik, Skalen und Korrelationen, bis hin zur Triangulation („mixed methods“) von Forschungsansätzen… und versucht wiederum in den Kapiteln „Abläufe planen“ und „Schritte zur Entwicklung: Veränderungen anstoßen“ universell für all diese Forschungsmöglichkeiten zu argumentieren. Das Buch umfasst jedoch nur 134 Seiten, plus der Serviceleistung eines Glossars im Anhang. Insofern handelt es sich hierbei um ein sehr ehrgeiziges Werk, welches zu der folgenden Forschungsfrage verleitet: Werden eventuelle Hemmschwellen vor dem Thema sozialarbeiterischer Forschung bei Studierenden eher abgebaut, wenn quasi alles an möglichem Rüstzeug in einem handlichen Taschenbuch einen gewissen Platz findet, oder wäre ein zweibändiges Werk mit der Aufteilung in qualitativer und quantitativer Forschung hier als Heranführung bedachtsamer? Alle Titel dieser Reihe kosten 9,80 Euro, am Preis würde es diesmal jedenfalls eher nicht scheitern.

Rezensiert von:
Christine Burmeister
Dipl. Sozialpädagogin/Dipl. Kriminologin
Wissenschaftliche Mitarbeiterin FH Potsdam
Burmeister.Christine@t-online.de