Bernhard Sieland / Helmut Heyse: Verhalten ändern – im Team geht’s besser
hinzugefügt: 22-04-2010
Die KESS-Methode – Handbuch für Lehrgangsleiter mit Arbeitsbuch für Kursteilnehmer. Unter Mitarbeit von David Ebert, Tobias Rahm, Jo Annika Reins und Torsten Tarnowski

1. Auflage 2010
334 Seiten mit 21 Abb. und 31 Tab., kartoniert
39,90 € [D]
ISBN 978-3-525-40425-6

Schon Paulus wusste vor fast 2000 Jahren zu berichten: „Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach“. Ein alte Weisheit und Beobachtung, die so gut wie jeder Dozent, Fortbilder, Seminarleiter, betrieblicher Ausbilder, Gesundheitsfürsorger, Berater oder Seelsorger (die Hauptzielgruppe dieses umfassenden Handbuches), aber auch jeder Teilnehmer an solchen Lehr- und Bildungsangeboten kennt.

Neue Erkenntnisse überzeugen uns, eine innere Einsicht in die Notwendigkeit von Veränderungen in beruflicher, privater oder gesundheitlicher Hinsicht ist vorhanden, Anfangsmotivation macht sich breit und dann versickert all dies doch in den Mühlen des Alltages, der, wie es die Autoren benennen, „Routine“.

Die KESS-Methode (kooperative Entwicklungsarbeit zur Stärkung der Selbststeuerung) greift genau in diese Schnittstelle.
In der Entwicklung und theoretischen Begründung eines Drei-Stufen Modells (Auftauen für Änderungen – planvolles Vorgehen zur Veränderung unter kooperativer Begleitung – Stabilisierung der Veränderung im Alltag in Begleitung), greifen die Verfasser das Wissen um die stützende Kraft der Gruppe auf und nutzen diese für Ihre Methode zur „Veränderung routinierter Verhaltensweisen und Umsetzung unter Alltagsbelastung in der Praxis“. Kernstück der Methode ist die Begleitung des änderungswilligen und –einsichtigen Menschen über eine konkrete Erkenntnisvermittlung (Fortbildung, Workshop etc.) hinaus durch eine Kleingruppe ebenfalls Lernender und eine Flankierung dieses Prozesses durch eine Supervision mittels Internet / Intranet.

Das Buch bietet im ersten Teil eine theoretische Grundlegung auf der Basis bekannter und erforschter Lernmodelle, aus denen das eigene „Drei Säulen“ Modell logisch abgeleitet wird. Im zweiten Teil wird der Ablauf von Lehrgängen mittels der KESS Methode umfassend beschrieben während im dritten Teil die Vielfalt der Anwendungsfelder ausführlich geschildert werden und das methodische Instrumentarium für die eigene Person (Selbststeuerung und Lebenskompetenz), sowie für Trainer und Lehrkräfte im klinischen Umfeld und allgemeinen Bildungsbereichen nachvollziehbar geschildert werden. Das, auch separat erhältliche, „Handbuch für Teilnehmer“ ist dem Buch ebenfalls beigefügt.

Die Erfolge kleinerer Ansätze in dieser Richtung, wie sie beispielsweise Weight Watchers erzielt, zeigt, dass eine solch fundierte Grundlegung und Methodik für die Umsetzung von Erkenntnissen durch Begleitung einer Gruppe, wie sie mit diesem Buch vorliegt, wichtig ist.
Allein schon die hervorragende Darstellung der Notwendigkeit von persönlichen Entwicklungsplänen und der zu beachtenden sieben „Gelingens“-Faktoren vermittelt eine profunde Einsicht in Ursachen bisherigen Scheiterns und eines neuen Ansatzes zum Erreichen persönlicher Ziele

Sprachlich trotz wissenschaftlichen Anspruches verständlich geschrieben, bietet die KESS Methode einen umfassenden Einblick in die Möglichkeit eines „verändernden Lernens“ und ist für jeden, der in diesem Bereich tätig ist oder für sich selber Änderungen von Gewohnheiten anstrebt, ein Gewinn. Das vorhandene Register erleichtert das zielgenaue Arbeiten mit dem Buch. Das, etwas knappe, Literaturverzeichnis öffnet den Weg für eine vertiefende theoretische Weiterarbeit. Die Methodik ist sachdienlich beschrieben und eröffnet eine gelingende, praktische Umsetzung. Die vielfachen, praktischen Erfahrungen der Autoren mit der Methodik schlagen sich in den lebensnahen Beispielen und Anwendungsmöglichkeiten nieder. Da die Methode nicht an bestimmte Inhalte gebunden ist, sondern einzig und allein sich darauf ausrichtet, Lernerfolge und Erkenntnisgewinne im praktischen Alltag zu sichern und (wirklich) um zu setzen, ist sie in jedem Fachgebiet und auf jeder Stufe von Lehre, Bildung und Vor- und Fürsorge anwendbar.

Fazit:
Ein fundiert recherchiertes und theoretisch durchdachtes Werk zur Schnittstelle zwischen Erkenntnis und Umsetzung derselben in tatsächlich neue Verhaltensmuster. Ein Gewinn für jeden in Lehre, Bildung, Vor- oder Nachsorge tätigen Dozenten, Trainer, Arzt, Ausbilder, der oder die Wert auf die Umsetzung der vermittelten Erkenntnisse legen. Aufgrund der praktischen Orientierung der Methodik für jeden an Gewohnheits- und Verhaltensänderung interessierten Leser eine wichtige Hilfestellung.

Rezensent: Michael Lehmann-Pape