Johanna Forster / Uwe Krebs (Hg.) - Kindheit zwischen Pharao und Internet
hinzugefügt: 12-11-2001
4000 Jahre in interdisziplinärer Perspektive 2001. 207 S., kt., DM 36,- / SFr. 33,- / ÖS. 263,-

ISBN 3-7815-1156-1

„In allgemeiner Sicht ist "Kindheit" eine anthropologische Konstante, denn alle Menschen zu allen Zeiten durchlaufen diesen Entwicklungsabschnitt. Die speziellere Betrachtung aber zeigt die bestimmenden Einflüsse von Familie und Gesellschaft, von Kultur und Technik. Hier liegen die Ursachen für die Vielfalt der Erscheinungsformen von "Kindheit" im historischen Wandel. Diese Sachverhalte legen nahe, eine interdisziplinäre Vorgehensweise und eine lange Zeitperspektive zu wählen.“ (Presseinfo)

Um dieser interdisziplinären Herangehensweise gerecht zu werden versammelt der Band "Kindheit zwischen Pharao und Internet“ Beiträge aus Ägyptologie, Historik, Erziehungswissenschaft, Humanethologie, Ethnologie, Entwicklungspsychologie und Soziologie. Dies soll ein zeitlich und perspektivisch breites Bild des Phänomens Kindheit schaffen, da nicht nur aus der Perspektive einer Disziplin betrachtet wird. Die Beiträge wurden allesamt auf dem gleichnamigen Symposion vorgestellt.

Das Buch ist thematisch in drei Teile unterteilt. Die „historischen Perspektiven der Kindheit“, die „phylogenetischen und ethnologischen Aspekte der Kindheit“ und die „Problemfelder und Lösungsansätze der Gegenwart“. Diese Themenkomplexe bestehen wiederum jeweils aus drei Beiträgen. Exemplarisch für die Zeit vor Christus wird im Kapitel „Historische Perspektiven der Kindheit“ die Kindheit im alten Ägypten vorgestellt. In den beiden weiteren Beiträgen geht es dann zeitlich vom Mittelalter bis zum heutigen Tag. Um Kindheit nicht nur lokal und chronologisch zu betrachten, widmen sich die Autoren im zweiten Themenkomplex der Kindheit in anderen Kulturkreisen und aus humanethologischer Sicht. Im dritten Themenkomplex geht es um die Gegenwart und die Besonderheiten der heutigen Kindheiten. Konsens dieser Beiträge ist die Feststellung, Kindheit heute ist eine Medienkindheit, welche besondere Herausforderungen an die Gesellschaft und die Pädagogik stellt.

Das Buch ist eine gelungene Zusammenstellung interdisziplinärer Beiträge zum Thema Kindheit. Diese Verbindung liefert ein interessantes Bild der Kindheit auch über den Tellerrand einer Disziplin hinaus. Allerdings darf der Leser keine komplette Abhandlung über die Kindheit erwarten, dies ist innerhalb einer Disziplin schon schwierig, aber innerhalb so vieler nahezu unmöglich. Die Autoren möchten vielmehr verschiedene Aspekte der Kindheit darstellen. Obwohl der Titel eine sehr stringente Behandlung des Themas vermuten läßt, stehen die Themenkomplexe doch sehr für sich. Nichtsdestotrotz ist diese ungewöhnliche Zusammenstellung, aufgrund ihrer inhaltlichen Breite sehr gelungen und eignet sich besonders als Einstiegs- oder Ergänzungsliteratur.

Erschienen im Klinkhardt Verlag.

Rezension von Jörg Warras