Friedrichs, Henrike; Junge, Thorsten; Sander, Uwe (Hrsg.) - Jugendmedienschutz in Deutschland
hinzugefügt: 24-07-2013
Reihe: Medienbildung und Gesellschaft, Band 22

Springer VS Verlag Wiesbaden 2013, VIII, 364 S. 7 Abb.

ISBN 978-3-531-17206-4

Der Sammelband „Jugendmedienschutz in Deutschland“ liefert einen umfassenden Überblick über die Thematik. Bevor die Autoren über die aktuelle Situation sprechen, erfolgt der historische Rückblick auf die bereits 100-jährige Tradition dieses Themas. So berichten die Autoren, das schon Ende des 19 Jahrhunderts Jugendliche vor sogenannter Schundliteratur geschützt werden sollten.

Es folgen die Beschreibungen über die Entwicklung des Jugendmedienschutzes in der ehemaligen DDR und der Bundesrepublik ab 1949.

Neben der rechtlichen Grundlage des Jugendmedienschutzes wird auch das System der Selbstregulierung beschrieben, außerdem wird die Rolle der Landesmedienanstalten in der Medienkontrolle erläutert .

Während die theoretischen Grundlagen der ersten Kapitel durchaus schon aus anderer Literatur bekannt sein könnten, folgen sehr praxisnahe Beispiele der verschiedenen Institutionen, welche auch die Schwierigkeiten aufzeigen, die die Jugendmedienschutz-Gremien haben, wenn es um die Bewertung von Medieninhalten geht. Sehr interessant sind die beiden Kapitel, die so wohl noch nicht schriftlich fixiert worden sind, nämlich das Kapitel über den Jugendmedienschutz bei Google und über den proaktiven Jugendschutz bei schülerVZ. Wie schnelllebig diese sozialen Netzwerke sein können, zeigt die Tatsache das schülerVZ in der Zwischenzeit eingestellt wurde. Schade, denn diesen proaktiven Ansatz hat bisher kein anderes soziales Netzwerk verfolgt.

Der Punkt an dem Heranwachsende durch ungeeignete Mediennutzung in ihrer psychischen, sozialen und ethischen Entwicklung beeinträchtigt werden, ist oft fließend und im historischen Kontext auch nicht fixiert. So können ein und dieselben Inhalte zu unterschiedlichen Zeiten durch die gesellschaftliche Entwicklung unterschiedlich bewertet werden.

Das Kapitel über die erzieherische Perspektive des Jugendmedienschutzes liefert eine sehr gute Übersicht diverser Projekte, Webseiten und Initiativen, die sehr nützlich bei der eigenen Recherche sein kann.

Die Diskurse zu Gefahrenpotenzialen von Medien sind für die Komplexität der Gefahren (Suchtpotential oder der Zusammenhang von gewalthaltigen Medien auf das eigene Aggressionsverhalten) etwas „dünn“ ausgefallen. Dies ist jedoch zweckmäßig, da diese Kapitel den restlichen Band nicht dominieren sollten.

Mit einem Ausblick auf zukünftige Anforderungen an den Jugendmedienschutz schließt der sehr gelungene und informative Sammelband ab. Eine lohnende Literatur für alle die sich mit dem Thema Jugendschutz in den Medien beschäftigen.

Rezensent: Jörg Warras