Prömper, H.; Richter, R.: Werkbuch neue Altersbildung
hinzugefügt: 24-11-2015
Praxis und Theorie der Bildungsarbeit zwischen Beruf und Ruhestand
Bertelsmann W (Verlag) 2015, 331 Seiten

ISBN: 978-3-7639-5332-5

Vielfältige Hinweise zur Orientierung für die „dritte Lebensphase“

Dass die Demographie zu einem immer höheren Durchschnitts-Lebensalter führt und dass „das Alter“ schon seit langem nicht mehr nur aus „erschöpften Sitzen“ besteht, sondern nach dem Eintritt in den Ruhestand in der Regel noch Energien vorhanden sind und aktive Jahre, u.U. Jahrzehnte den Menschen erwarten können, sind keine neuen Erkenntnisse.

Wie aber eine neue Lebensorientierung und, vor allem, Sinnstiftung an diesem doch immer noch einschneidenden biographischen Wendepunktes des Ausscheidens aus dem Arbeitslebens, hierzu sind nicht zuletzt in den letzten beiden Jahrzehnten vielfache Erfahrungen gesammelt und Untersuchungen durchgeführt worden.

Das vorliegende Werk bietet eine umfangreiche und breite Sicht auf den Status Quo der „Altersbildung“ und zugleich eine Vielzahl an Impulsen und „Best Practice“ Erfahrungen für diesen Lebensbereich.

Denn, stellen die Herausgeber fest, eines bietet die demographische Entwicklung auf jeden Fall auch, „neue Lebenszeitfenster für Bildung“ in einer „Langlebigkeitsgesellschaft“.

Mit den besonderen Eigenschaften einer Bildung, die nicht mehr unbedingt zielgerichtet, vorgegeben oder an konkreten Aufgaben und Berufsbildern orientiert sein muss.
„Das Leben gewinnt eine neue Gestaltung, die noch der Bearbeitung harrt“.

Die „Füllung“ dieser „zusätzlichen Zeit“ bietet nun die Chance, der Bedeutung sozialer Beziehungen, zwischenmenschlicher Netzwerke, bürgerlichen Engagements, selbstbestimmter Spiritualität oder auch zweckfreien Eigeninitiativen gerecht zu werden.

Wie da gehen kann, welche Lernschritt notwendig, zumindest anregend wären, wo diese zu finden wären, wie diese ausgebaut und angesiedelt werden können, das schildern die verschiedenen Autoren im Buch in differenzierter und anregender Art und Weise.

Zum einen in reflexiver Weise, wenn die Veränderung des Bildes vom Altern, die „neuen“ Erwartungen an das Alter, die neue Bedeutung des Übergangs in den Ruhestand und ebenso neuer Bildungsangebote, vielleicht gar die Entfaltung eines neuartigen „Alters-Bildungsnetzwerkes“ im Allgemeinen zunächst einer Betrachtung zugeführt werden, bis hin zur fundierten These eines „Silver-Patchwork-Life“ mit der (sehr überzeugend herausgestellten) Folge, dass sich die Übergänge „verflüssigen“.

Damit verändert sich ebenso der Bedarf an Bildung im Alter, die wiederum eine neue Chance für nicht berufliche Bildungsträger (wie die Kirchen) darstellt.

Wobei im Folgenden der Charakter des Buches als „Werk- und Arbeitsbuch“ in den Mittelpunkt der Darstellungen rückt, in dem erprobte Bildungsmodelle, nach den einzelnen Bildungsfeldern geordnet, vor Augen geführt werden.

Angebote zur Neuorientierung, sich selbst organisierende Gruppen, intergenerationelles Engagement, das Projekt „Wegbegleiter“, Selbsterfahrungsmöglichkeiten für Engagierte, Arbeit mit der eigenen Biographie, Altersstudium „ohne Hürden, ohne Prüfung“, selbst Flirtkurse für Senioren finden hier gemeinsam mit vielen anderen „handfesten“ Angeboten, Themen und Organisationsformen ihren Platz, immer unter Einbeziehung und Verweisen auf eine dann auch veränderte, dem Alter und der Lebensphase angepassten Didaktik.

Ein umfassendes, sehr verständliches, sehr hilfreiches Werkbuch voller praktischer Impulse für im Bereich Tätige und mit einer ebenso sorgsamen Reflexion und theoretischen Aufarbeitung der notwendigen Schritte und Veränderungen für eine weiter sich vertiefende „Altersbildung“ als eine der Kernaufgaben einer sich auch in der Altersstruktur verflechtenden Gesellschaft.

Rezensent: Michael Lehmann-Pape