Andreas Hepp, Rainer Winter - Cultural Studies und Medienanalyse
hinzugefügt: 15-09-2003
384 Seiten. Broschur. 21,90,- €
ISBN 3-531-32948-0

Die noch junge Forschungsdisziplin der Cultural Studies, die erst in den letzten Jahren in Deutschland stärkeren Zuspruch bekam, liefert ihre eigenen Ansätze zur Medienanalyse in den Sozialwissenschaften. Andreas Hepp hat sich zur Aufgabe gemacht, grundlegende Theorien und deren geschichtliche Entwicklung, darzustellen. Aufgrund der offenen und interdisziplinären Ausrichtung des Fachs ist die Festlegung „der einen“ Geschichte quasi nicht möglich, legt doch jeder Autor individuelle Schwerpunkte. So stellt Hepp nach einer kurzen Einführung die Grundgebriffe der Cultural Studies wie z.B. „Code“ oder „kulturelle Identität“ dar, um dann einen historischen Abriß angefangen von den „Frühtexten“ von Williams oder Hoggart über den „Centre for Contemporary Cultural Studies“ in Birmingham bis hin zur Entwicklung der Kulturwissenschaften im deutschsprachigen Raum liefern.
Ein weiteres Kapitel behandelt die Text- und Diskursanalyse der Cultural Studies, wobei „Texte“ hierbei in jegliche Form der medialen Vermittlung, also auch auditive und visuelle Elemente, Bedeutung tragen können. Speziell beim Kapitel 5, „Aneignungsforschung“, gibt der Autor viele Abrisse oder Verweise zu wichtigen Studien, die die Cultural Studies geprägt haben, was den Leser jedoch aufgrund der Flut auf ihn einstürzenden Informationen stark beanspruchen kann. Alle diese Studien wird sich wohl nur der sehr interessierte Student/Leser zu Gemüte führen, würde diese doch einen immensen Arbeitsaufwand bedeuten. Im Kern geht es darum, „Medienaneignung als einen komplexen soziokulturellen Prozeß zu beschreiben, der nur durch eine umfassende Studie der Aneignungskontexte der jeweiligen Gruppen von Rezipierenden fassbar ist.“
Auch gibt der Autor einen Ausblick zu den Entwicklungsmöglichkeiten der Methodologie der Cultural Studies, wobei er darauf hinweist, dass es aufgrund der interdisziplinären Ausrichtung des Fachs nicht „die eine“ Methode gibt. Vielmehr fokussiert er die „Kritische Diskursanalyse“ und „Kritische Ethnografie“ genauer, immer den Begriff der „Macht“ im Hinterkopf.
Besonders Studenten im ersten Semester erhalten durch das Buch einen Ein- und Überblick über ihr Fach, liefert es doch einen geschichtlichen Überblick und die Erklärung von wichtigen Grundbegriffen der Cultural Sudies wie „Code“ oder „Text“, die in der wissenschaftlichen Diskussion immer wieder aufgegriffen und neu definiert werden.
Denn „Cultural Studies zu betreiben bedeutet, an einer nicht endenden, offenen und politisch orientierten Debatte teilzunehmen, die eine Kritik an den gegenwärtigen kulturellen Bedingungen leisten will.“

Erschienen im Westdeutschen Verlag.

Rezension von Christoph Lottes