Georg Antor/Ulrich Bleidick - Behindertenpädagogik als angewandte Ethik
hinzugefügt: 17-10-2003
1. Auflage, 2000, 250 Seiten. Kart. DM 44.-/öS 321.-/sFr 41.-
ISBN 3-17-016418-X

U. Bleidick und G. Antor stellen mit diesem Werk (einer Fortschreibung eines Studientextes) den Zusammenhang von Behindertenpädagogik und angewandter Ethik dar. Sittliches Handeln ist zur Existenzfrage der Behindertenpädagogik geworden. Bedenken sind angebracht, denn neu ist, dass
a) die Genforschung, die uns viele Vorteile, z. B. die verbesserten Lebensmöglichkeiten von Frühgeburten, aber eben auch Risiken der Leidensverlängerungen beschert hat,
b) die Frage, ob die genetisch nicht verbesserten Menschen und die mit uns lebenden Benachteiligten und Behinderten noch ein Recht auf Leben haben. Ärzte, Klinikpersonal und Eltern sind in hohem Maße herausgefordert.

Diese Studieneinheit führt ein mit den "Stationen moralischer Entscheidung in der Begegnung mit behinderten Menschen" und bietet eine fundierte Übersicht zu humangenetischer Beratung, pränataler Diagnostik, der Früheuthanasie und beschäftigt sich mit der Sterilisation und Elternschaft behinderter Menschen.
Das zweite Kapitel widmet sich der "Geschichte der Bewertung behinderten Lebens" von der Antike bis zur Neuzeit, der Eugenik bis hin zur Eugenik und Euthanasie in der Gegenwart. Die revidierte Fassung der Einbecker Empfehlungen von 1992, nach dem lapidar gesagt, ein Arzt ein Kind sterben lassen darf und die strafbare Beihilfe zum Selbstmord, die oft im Widerspruch steht zu den Gerichtsurteilen, lassen eine Rechtsunsicherheit in Justiz und Klinik aufkommen und gestalten die Grenzen fließend.
Der dritte Teil "Grundfragen behindertenpädagogischer Ethik", bildet zusammen mit dem zweiten Teil des Buches zur Beurteilung behinderten Lebens das Grundgerüst. Wichtig für ein fundiertes Urteil ist die Möglichkeit, z. B. das Original von Binding/Hoche(1922) und Zitate des Bioethikers Singer, der Schwerstbehinderten mit dem Personenwert auch das Lebensrecht absprach, nachlesen zu können, die hier gegeben ist.

Rundum ist dieses Buch zu diesem brisanten und aktuellen Thema sehr empfehlenswert und zugleich eine wichtige Basis für Personen, die sich beruflich damit beschäftigen, da es ausführlich die Entwicklungen dokumentiert, wie Behinderte bewertet und wie mit ihnen umgegangen wurde.

Erschienen im Kohlhammer Verlag.

Rezension von Claudia Schütte