Antje Klinge - Körper und Gewalt
hinzugefügt: 25-02-2002
Zur Thematisierung von Gewalt in der Sportlehrerausbildung, 1. Aufl. 1998. 196 Seiten. 29,80 DM.
ISBN 3-932079-14-0

Derzeitige Erscheinungen von Gewalt scheinen immer rücksichtsloser, brutaler und körperlicher geworden zu sein. Gleichzeitig konstatiert Antje Klinge eine Aufwertung des Körpers im Lauf des Zivilisationsprozesses. Der Körper erhält im Alltag, in der Freizeit und im Sport verstärkte Bedeutung. Auf der Suche nach Sinn verbleibt der Körper als letzte Sinn gebende Instanz.
Dieser scheinbare Widerspruch initiierte die Autorin, Zusammenhänge zu suchen, zwischen den derzeitigen Gewalterscheinungen und dem vorherrschenden Körperkult.
Antje Klinge gibt daher zunächst einen Überblick über soziologische und sozialpsychologische Theorien zur Gewalt, widmet sich dann Theorien des Körpers.
Mit Hilfe des Berichtes eines Projektes, welches die Autorin mit Sportstudierenden durchgeführt hat, liefert sie den Nachweis, dass der derzeitige Körperkult sowohl eine Verdrängung von Gewalt verstärkt, als aber auch eine Förderung von Gewalt unterstützt.
Das Buch richtet sich zunächst an Sportstudierende, die über eigene Erfahrungen mit gewalterzeugenden wie- vermeidenden Verhaltensweisen Anknüpfungspunkte für schulinterne und sportunterrichtliche Auseinandersetzungen erhalten können, kann aber auch für alle diejenigen, die sich mit gewaltbereiten Jugendlichen beschäftigen, interessant sein.
Probleme könnte dieses Buch allerdings denjenigen bereiten, die sich bislang noch nicht mit diesen Themen beschäftigt haben, da die Theorien über Gewalt und Körper sehr komprimiert beschrieben werden und nicht unbedingt als lesefreundlich bezeichnet werden können.

Erschienen im Afra Verlag.

Rezension von Jacqueline Diercks