Gerald C. Davison / John M. Neale - Klinische Psychologie
hinzugefügt: 09-01-2003
Herausgegeben von Martin Hautzinger. Mit einem Vorwort von Martin Hautzinger. Aus dem Amerikanischen von Maria Baur.Verlagsgruppe BELTZ, Psychologie Verlags Union, Weinheim 2002.6., vollständig überarbeitete Auflage 2002, 849 Seiten, gebunden, EUR 49,90
ISBN 3-621-27458-8

Klinische Psychologie von Davison/Neale ist ein Klassiker in neuem Gewand. Weit über 20 Jahre zählt(e) es zur Basisliteratur für Psychologie-Studenten und sozialwissenschaftlicher Fachbereiche. Was also hat dieses Lehrbuch, das in Amerika ein Bestseller geworden ist, für Vorzüge gegenüber anderen Veröffentlichungen, die im deutschsprachigen Raum erschienen sind und was erwartet den Leser?

Zunächst einmal überzeugt das Layout der 6. Auflage durch eine gute Übersichtlichkeit der einzelnen Kapitel, die gelungene graphische Gestaltung - nach der Definitionen, Zitate, Fallbeispiele und zusammengefasste Grundkenntnisse in Fokuskästen dargestellt werden und erweitert worden sind durch zahlreiche Abbildungen, Tabellen und Fotographien. Das allein macht den schwerwiegenden Eindruck von ca. 850 Seiten annehmbarer. Der (wissenschaftliche) Stoff lässt sich flüssig lesen und bietet die Möglichkeit, zwischen einzelnen Teilabschnitten zu wechseln, aber auch spezifischen Erläuterungen einzelner Themen nachzugehen.
Die didaktische Konzeption - am Ende eines jeden Kapitels Fragen aus dem vorhergehenden Text zu beantworten, unterstützt den Lernprozeß beim Lesen.

Als Standards des angewandten Faches der Klinischen Psychologie sind in dem Buch die gegenwärtigen Paradigmen in Psychopathologie und Therapie einführend vorgestellt. Im Kapitel zur Klassifikation und Diagnostik (Klinische Erhebungsverfahren) psychischer Störungen gehen die Autoren ausführlich auf das amerikanische DSM-IV und das diagnostische System ICD-10 der WHO ein, welche beide hinsichtlich ihrer Brauchbarkeit geprüft und kritisch betrachtet werden. Ziel dabei ist, Reliabilität und Validität von psychiatrischen Diagnosen zu verbessern. Die Bedeutung der Klassifikation für Betroffene wird in einem gesonderten Abschnitt beschrieben (s. Stigmatisierung).
In den darauf folgenden großen Kapiteln zu einzelnen Gruppen psychischer Störungen erwartet den Leser und Studierenden eine ausführliche, sehr detaillierte Auseinandersetzung mit o.g. klinischen Störungsbildern. Als Hinweis sollen hier nur die heute immer häufiger anzutreffenden Persönlichkeits- und Substanzinduzierten Störungen angeführt werden. Ebenso wenig fehlen die spezifischen Störungsformen im Zusammenhang mit der Kindesentwicklung und im Alter. Jeweils am Ende der Texte findet man hochinteressante Informationen zur Ätiologie und Therapie.

Den Interventionen und Behandlungstechniken widmen die Autoren ein überschaubares und mit Schwerpunkt auf Evaluierung und Forschung in der Psychotherapie gesetztes Kapitel. Darin werden abschließend ethische und rechtliche Aspekte erörtert, die bei Ausübung eines psychotherapeutischen Berufes in der Praxis von Belang sind.

Abgerundet wird das Ganze mit einem Literaturregister von über 100 Seiten.

Die Auswahl der Themen sowie deren Aktualität besticht genauso wie die Zusammenschau von biologischen, psychosozialen und soziokulturellen Aspekten bei psychischen Störungen in der Bevölkerung.

Als Fazit bleibt zu sagen, dass dieses Lehrbuch weiter seinen Platz in der Reihe großartiger und spannender Lehrbücher der Psychologie behalten wird.


Erschienen im Beltz Verlag.

Rezension von Michael Horn