Michael Opielka: Sozialpolitik
hinzugefügt: 1-05-2005
Grundlagen und vergleichende Perspektiven, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2004, ISBN 3-499-55662-6, EUR 12,90

„Rowohlts Enzyklopädie“ war in der unmittelbaren Nachkriegszeit ein Verlagsformat, das dem deutschsprachigen Publikum das zeitgenössische Denken erschloss. Die Reihe öffnete den Zugang zu den internationalen Debatten zu Existentialismus und Strukturalismus, Psychologie und Marxismus. An diese ehrwürdige Tradition knüpft Michael Opielka mit seiner „Sozialpolitik“ an. Er öffnet dem Leser den Zugang zu den Grundfragen der Sozialpolitik aus einer internationalen Perspektive. Durchgängig wird der Leser über Grundlagen und Grundfragen der Sozialpolitik aus internationalem Blickwinkel unterrichtet. Schon die einführende Partie über „gerechtes Glück“ sowie die Theorie der Sozialpolitik stimmen den Leser auf die internationale Diskussion um. Sozialpolitik, deren Ziele und Funktionen werden eingehend behandelt. In dem sich daran anschließenden Kapitel über Arbeit, Armut und Aktivierung wird nicht nur der elementare Zusammenhang zwischen Arbeit und Armutsbekämpfung sichtbar, sondern es wird auch die Problematik des aktivierenden Sozialstaats angeschnitten. Weitere Partien wenden sich der Familienförderung, Alter- und Gesundheitssicherung sowie – insoweit ganz angelsächsisch gedacht - auch der Bildungspolitik zu. Globalisierung, Reform der Sozialpolitik und deren verschiedene Kulturen werden im An- und zum Abschluss behandelt. Die gesamte Darstellung durchzieht die Reformvorstellung einer durch einkommensproportionale Beiträge finanzierten Grundsicherung für Gesundheit und Einkommensersatzleistungen, die als Einlösung des Postulats sozialer Menschenrechte verstanden wird. Diese Position wird etwas sperrig „Garantismus“ genannt. Die Arbeit greift die aktuellen politischen Streitfragen um die Reformen des Sozialstaats (Gesundheitsprämie, „Bürger-“ oder besser und richtig Einwohnersicherung) auf und verknüpft die im Inland geführte Debatte eindrucksvoll mit internationalen Entwicklungen und Beobachtungen. Die Arbeit ist mit Schaubildern und Ordnungsschemata durchzogen, die – wenn auch zugespitzt, so doch höchst sinnfällig – die Gegensätze in den sozialpolitischen Grundeinstellungen zwischen konservativen, liberalen, sozialdemokratischen und „garantistischen“ (grünen?) Ansätzen aufzeigen. Ein anregendes, weil theoriegeleitetes und international offenes Buch, das für die Wiederbelebung von „Rowohlts Enzyklopädie“ durchaus beachtliche, aber dem Format gemäße Maßstäbe setzt und hält.

Rezension von Prof. Dr. Dr. h.c. Eberhard Eichenhofer
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Die Rezension erschien zuerst in ,Sozialgerichtsbarkeit, 2, 2005'