Asen, E. Schulz, M. (Hg.): Handbuch der Multifamilientherapie
hinzugefügt: 25-09-2017
Verlag: Carl-Auer Verlag 2017, 443 Seiten

ISBN 978-3-8497-0192-5

Breite Übersicht zum Feld

„Multifamilientherapie“ (MFT) ist noch kein allzu gängiger Begriff, im Gegensatz zur „einfachen“ Familientherapie.

Mit Michael Schulz und Eia Asen legen nun Wegbereiter und Mitentwickler des therapeutischen Ansatzes eine Form der „Reisebeschreibung“ vor, die es dem professionell therapeutisch und beratend Tätigen ebenso, wie dem interessierten Laien, ermöglicht, einen breiten Überblick über Entwicklung, Theorie und zudem der praktischen Anwendung des Ansatzes zu erhalten, der auf die Arbeit von Peter Laqueur ursächlich zurückgeht.

Vor allem der „massive Paradigmenwechsel“ der MFT zu bis dato vorherrschenden Beratungs- und Therapieformen, wie auch die überaus breiten Arbeitsfelder und Arbeitsmöglichkeiten mit der MFT werden im Buch besonders deutlich und herausgehoben. So steht nicht nur „Wie das geht“ und „Warum das geht“ im Mittelpunkt der Darstellung, sondern ebenso „Wo das geht“ und mit welch Vielfältigen Formen und Methoden die MFT Arbeit einhergeht.

Wobei der Paradigmenwechsel grundlegend darin besteht, die „therapeutische Helferposition“ als Berater und Therapeut zu verlassen und eine Haltung zu entfalten, die Familien „dazu befähigen, anderen und sich selbst zu helfen“.

„Nicht die Helfer haben während der Therapie Verantwortung für die Kinder und ihr Wohlbefinden, sondern die Eltern“. Was gerade, darauf geht das Handbuch ebenfalls in einem wichtigen Kapitel ein, dass dieser Ansatz auch (nicht selten) gegen das „innere Drängen“ des „Profis“ im Anblick „hochstrittiger Eltern“ durchzuhalten ist, um erkennbare und empirisch festzustellende Erfolge zu zeitigen.

Als klare Hilfe für Berater und Therapeuten dient in der MFT hierzu das „Fünf-Schritte-Modell“, das wirksam dagegen arbeitet, dass Berater „Ratschläge“ erteilen sondern Klienten dazu auffordert, eigene Lösungen zu entwickeln. Dies, wie alle anderen allgemeinen und spezielleren Methoden und Techniken werden im Werk ebenso sorgsam und nachvollziehbar erläutert, wie das „spielen, spielen und spielen“ immer als methodische Zugehens-Weise immer wieder verdeutlicht wird.

Von den ersten Schritten über die Entwicklung des Fünf-Schritte-Modells bis zur Erläuterung der zentralen Bedeutung des „Mentalisierens“ (Mentalisierungsmmodell) findet der Leser dabei zunächst alle wichtigen Grundlagen der MFT mit ihrem je theoretischen Hintergrund.

Um dann im Buch überzugehen in die ausführliche Darstellung der einzelnen Arbeitsfelder, die überaus differenziert und bis in Details hinein strukturiert dargelegt und ebenso je mit einem verständlichen Fazit versehen werden.

Allein schon der klinische Kontext mit seinen fast unübersehbaren individuellen Problematiken (von der Jugendpsychiatrie bis zur Diabetes, von Konzepten für eine interdisziplinäre Eltern-Kind-Station hin zu transiden Kindern, Jugendlichen und ihren Familien oder zu Problematiken der Essstörung zeigen eindrucksvoll auf, dass MFT in so gut wie allen Bereichen der therapeutischen Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und ihren Familien ihren Einsatzort findet.1

Jugendhilfe, „Familienklassenzimmer und Familienschule“ erweitern die Arbeitsgebiete in vielfachen, wiederum einzeln und differenziert beschrieben Felder.

Die letzten Hauptkapitel zu den Themen des Status Quo der Forschung und der Vernetzung und Finanzierung runden das eindrucksvolle Gesamtbild des Handbuches dann aus professioneller Sicht und Fragestellung ab.

Alles in allem eine eindrucksvolle, umfassende, fundierte und detaillierte Darstellung der noch „jungen“ Methode MFT, die weitgehend keine Fragen offenlässt, um den Ansatz zu verstehen, in der Praxis „zu erleben“ und einordnen zu können.

Rezensent: Michael Lehmann-Pape